Gesellschaft

"Die Apokalypse aussitzen" – Superreiche bauen Bunker in Argentinien

Im argentinischen Andenvorland hofft eine Gruppe Superreicher, eine Klimakatastrophe oder den Dritten Weltkrieg auf einer autonomen Ranch zu überleben. Sie wollen Vieh züchten, Energie aus Solarzellen gewinnen – und andere für sich arbeiten lassen.
"Die Apokalypse aussitzen" – Superreiche bauen Bunker in Argentinien© Urheberrechtlich geschützt

Eine Gruppe von Techmagnaten baut im Westen Argentiniens einer autonomen Ranch, wo sie sich im Falle eines Atomkriegs oder einer Klimakatastrophe in Sicherheit zu bringen hoffen. Wie die Zeitung Financial Times am 7. August berichtete, seien bisher knapp zehn Millionen US-Dollar in den Bau investiert worden.

Initiator des Projekts ist der argentinisch-spanische IT-Unternehmer Martín Varsavsky, der sich nach Angaben von Forbes durch Geschäfte in Bereichen Telekommunikation, Internet, erneuerbare Energien, Biotechnologie und Reproduktivmedizin ein Vermögen von geschätzt 700 Millionen US-Dollar angeeignet hat. Als seinen Hauptbeweggrund führte der 66-Jährige gegenüber Financial Times einen Dritten Weltkrieg an, der nach seiner Ansicht zwischen Russland, China, der Demokratischen Volksrepublik Korea, Iran und "dem Großteil der restlichen Welt" ausgefochten werde:

"Wir befinden uns bereits im Dritten Weltkrieg, die Fronten haben sich schon abgezeichnet. Es macht einfach Sinn, eine Zuflucht zu haben."

Einen weiteren Anziehungsfaktor sieht der Millionär und Anhänger des amtierenden argentinischen Präsidenten Javier Milei in der angeblichen rassischen Homogenität von Argentinien:

"Einige Menschen kommen nach Argentinien und sagen: 'Wow, dieser Ort sieht europäischer als Europa aus'. Argentinien ist stolz auf sein Erbe der westlichen Zivilisation und die Menschen können es auch stolz sagen. In Europa und Amerika kann man das nicht."

Varsavsky hatte im Dezember 2023, wenige Wochen nach der Wahl des Anarcho-Kapitalisten Javier Milei zum argentinischen Präsidenten, die 32.000 Hektar große Ranch Wamani in der westargentinischen Provinz Mendoza erworben. Die nächste Siedlung, die Kleinstadt Eugenio Bustos, liegt etwa eine Fahrtstunde über eine Schotterpiste von Wamani entfernt.

Mitbeteiligt am Projekt sind der Techmagnat und Mileis Botschafter in Washington, Alec Oxenford, sowie der Milliardär und Inhaber des Snackriegel-Unternehmens Kind, Dan Lubetzky. Dabei gehören 50 Prozent des Ranchos Varsavsky.

Wamanis Herren wollen den Ort möglichst autonom von der Außenwelt machen. Dazu lassen sie Gebäude mit Solaranlagen ausstatten und planen, Vieh zu züchten. Zudem erwägen sie, große Sprachmodelle auf solarenergiebetriebene Computer hochzuladen, um im Fall einer Ausschaltung von globalen Servern über ein eigenes "beschränktes Internet" zu verfügen. Varsavsky betonte:

"Meine Frau und ich haben vereinbart, dass, wenn China Taiwan oder Russland das Baltikum einnimmt, wir am nächsten Tag hier sind."

Bemerkenswerterweise scheint der Überlebensplan des Millionärs kaum eigenständige Arbeit vorzusehen. Im Entwurf eines postapokalyptischen Romans, an dem Varsavsky arbeitet, fliegt der gleichnamige Protagonist nach den ersten Anzeichen eines Atomkriegs samt Familie nach Wamani und lässt die in Argentinien gestrandeten mittellosen Weintouristen aus den USA für sich arbeiten.

Inzwischen zeigen auch andere Techmagnaten Interesse an potentiellen Zufluchtsorten, darunter Argentinien. So hat der Investor und Mitbegründer von PayPal, Peter Thiel, Grundstücke in Neuseeland und ein Haus in Buenos Aires gekauft. Der Gründer von LinkedIn, Reid Hoffman, hatte noch im Jahr 2017 geschätzt, dass die Hälfte der Superreichen aus dem Silicon Valley eine Art von "Apokalypse-Versicherung" hätte. 

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